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HÁLIIDAN (Wood 033)
1. Háliidan/Vuolgge fárrui - Ich will/Komm mit mir
Dieses Stück war das erste, dessen Komposition vollkommen in der Zusammenarbeit von mir, Annukka und Mikko entstanden ist. Es war auch eines der ganz ersten Vilddas-Stücke. Mikko hatte etwas im Stil von tansanischem Marima für den Sequenzer gemacht und ich erfand den Lauteriff, der am Anfang des Liedes zu hören ist. Der war auch der Grundstein für die Harmoniegrundlage der Strophen. Ich hatte marokkanische gnawa-Trancemusik gehört, deren typische Besonderheit die tranceartige Triolenfigur ist, die mit Fingerbecken (also wie Becken nur an den Fingern befestigt und kleiner) gespielt wird. In manchen Stücken dieser Trancemusik wurde ganz eindeutig háliidan gesungen, was auf samisch ich will bedeutet. Ich wiederholte dieses Wort zum Spaß während des Lauteriffes und Annukka erfand zu diesem Wollen-Thema den Text. Gleichzeitig entstand auch die Gesangsmelodie. Auch die anderen Teile des Stückes entstanden auf die gleiche Art und Weise, aber es dauerte Jahre, bevor wir mit dem Arrangement des Liedes zufrieden waren und deshalb kam es auch erst auf die zweite CD. Oft und lange nahmen wir das Stück auf, immer wieder probierten wir neue Ideen aus und erst nach mehreren Mischungen tauchte die endgültige Version auf - und vielleicht ist auch sie gar keine endgültige... Für die Háliidan CD wurde das Lied in zwei geteilt um eine passende Spiellänge für das Radio zu erreichen. Eine frühere Mischung erschien als Begleit-CD zur Volksmusikzeitschrift Friiti. (MJ, MV)
Der Text des Liedes ahmt verschiedene finnische Volkslieder nach. In all diesen sagt man ganz direkt ohne Umscheife; wenn man will, dann will man und damit ist das klar. Und warum sollte man sich schämen, wenn man einmal in jemanden verliebt ist. Dann gilt es einfach direkt zu handeln. :) In diesem Stück befindet sich in etwa die gleiche Idee wie auch im Lied Dola mun cahkkehan, in dem die Angelegenheit allerdings etwas diskreter behandelt wird. (AH)
3. Boađán du lusa - Ich komme zu dir
Das ist Mikkos Komposition, die wir gemeinsam bearbeiteten. Zum Refrain des Stückes scheint das arabische Sehnsuchtsthema zu passen, und so entstand auch der Refraintext. Später gab ich Annukka den Text, damit sie ihn übersetzen könnte. Im Text werden die frühlingshafte Unruhe und das zwanghafte Verlangen fortzugehen behandelt. Annukka bearbeitete den Gedanken für sich selbst. Der Anfangssatz des Liedes, "On kevät, lumi on vielä maassa, mutta minä elän jo pälvillä" (Es ist Frühling, Schnee liegt noch im Land, aber ich lebe schon auf den schneefreien Flecken), ist dennoch von jenem ursprünglichen Text. (MJ)
4. Go moai leimme mánát - Als wir Kinder waren
Mikko stellte mir die Idee zu diesem Stück vor und ich erfand dazu ein cool-jazz-artiges Intro. Der Text begann wieder einmal aus dem Refrain zu entstehen. Die Grundlage dafür war der Gedanke eine gewisse Fortsetzungserzählung zu der Geschichte Kyyhky ja Unikko (die Taube und der Mohn) von Timo K. Mukan zu machen. Am Ende des Buches verschwindet der Mann nach einer tragischen Liebesgeschichte im Wald und das Mädchen lässt sich den Fluss hinabtreiben. Ich stellte mir vor, was in diesen allerletzten Momenten wirklich geschehen sein mag, versehen mit einigen meiner eigenen Gedanken. Das Stück bekam auch einen Kosenamen: Sorgenballade bzw. Sorge. (MJ)
5. Vilges suola - Der weiße Dieb
Dieses Lied wurde durch Mari Boine bekannt. Natürlich fragten wir sie um Erlaubnis, um es verwenden zu können. Auf norwegischer Seite bekamen wir einmal nach einem Konzert Auspfiffe, weil wir das Lied spielten. Ein norwegischsamischer Zuhörer war sehr empört darüber, dass wir das Stück eines samischen Weltstars angerührt haben. It galgga áddestallat Mari Boine, don leat ieš nu „eahppi, ahte it don dárbbaš áddestallat geange." (Du darfst Mari Boine nicht imitieren, du bist selbst so begabt, dass du niemanden zu imitieren brauchst) sagte er zu mir. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich versucht habe, ganz auf meine Weise zu singen, und jedenfalls nicht bewusst versucht habe Mari zu imitieren, und ich habe auch erklärt, dass das Stück eine Ehrung für Mari Boine ist. Auf der anderen Seite haben wir gerade für dieses Stück viel Lob bekommen. Man kann es nie allen recht machen... Pekko Käppi spielte bei den Aufnahmen großartig die Rosshaarkantele. Das Stück wurde live aufgenommen. (AH)
6. Moarseluohti - Nina Nuorgams Hochzeitsjoik
Ninas Schwägerin bat mich auf der Hochzeit von Nina und Rami zu jodeln. Ich wollte für sie einen persönlichen Joik machen und versuchte zuerst für die beiden einen gemeinsamen Joik zusammenzustellen. Das ist allerdings nicht gut gelungen, sodass aus dem Joik Ninas eigener wurde. Dieser kam mir erst auf der Reise zur Hochzeit im Zug in den Sinn. Die anderen Reisenden wunderten sich vermutlich über die eigenartige vor sich hin summende Reisende in Samentracht. :) Die Braut war die schönste Braut, die ich je gesehen habe. (AH)
7. Lásse-Ádjá luohti - Lassi Nikodemus’ Joik
Auch dieser begleitete trad. Joik hat seinen Ursprung aus Vilddas’ Anfangszeiten. Ich hab die aufgenommenen Joiks vom Vater meiner Schwiegermutter gehört. Unter diesen war ein Joik eines gewissen älteren Kerls namens Lassi, der in Purnumuka wohnte. Er war einer der ersten samischen Rentierzüchter, die vom Westen nach Sompio gezogen sind. Dieser Joik wurde deshalb ins Programm aufgenommen, da die ganze Truppe einen Joik versuchen wollte, bei dem man Laute und Flöte zusammen spielte. Ich machte die Harmonie des Mittelstückes, zu dem Mikko dann sein Flötensolo spielte. (MJ)
Marko glaubte nicht, dass der Name des Joik "ádjá-luohti" war. Sei dort welcher Name auch immer, alle Samen glaubten automatisch, dass es um den Joik meines Großvaters ging. Ich musste oft erklären, wer dieser Lasse-Großvater war (áddjá kann sowohl Großvater als auch alter Kerl, Mann bedeuten). Der gemeinte Lassi Nikodemus war auf jeden Fall kein Verwandter von mir. Na, das ist ja auch nicht so ernst... Pekko spielte wieder die Rosshaarkantele, er ist wirklich ein begabter Mann! (AH)
8. Ohcejohka - Utsjoki
Lange hatte dieses Lied den Namen "Asko", denn damit wollte man an die ausgelassenen Sommernächte in Utsjoki erinnern. Dann scheint doch immer die Sonne und die Menschen, die auf Urlaub und bei Feiern sind, rufen den Taxifahrer Asko zur Stelle, der sie dann von einem Ort zum anderen bringt und so die Feiern fortgesetzt werden können. Zuerst existierte das Stück nur als Version, die von Mikko auf der Maschine gemacht wurde. Wir entschieden uns dann aber doch, etwas neues auszuprobieren. Ich hatte gerade meine alte Erbschaftsmandoline ausgebessert bekommen und nachdem wir den Grundriff so änderten, dass er mit der Mandoline gespielt werden konnte, nahm gleichzeitig das Arrangement Form an. (MJ)
Das Lied wurde durch den Text etwas romantischer als die
ursprüngliche Feierstimmungsversion. Auf den Konzerten
spielt Risto den Bass dazu, das hatten wir zur Zeit der
Aufnahmen noch nicht ausprobiert, schade. Marko spielte
als alter Violist die Kemence (sie ist ein türkisches
Streichinstrument ähnlich der Violine) und Aris Frosch
Elisabet konnte für dieses Lied Stimme zeigen! Die
Band Jiella
von Utsjoki hat aus diesem Lied ihre eigene Version gemacht.
(AH)
9. Dánses Lille Sárá - Tanz, kleine Saara
Auch dieses Lied stammt aus den Anfangszeiten von Vilddas, wo ein Grundgedanke vorherrschte, nämlich einen Joik auszuprobieren, bei dem Laute und Flöte zusammen gespielt werden. Inga Juusos dii-ba-daa-ba führte Mikkos und meine Gedanken dennoch zu der von Zigeunern gespielten Tanzmusik, die wir in Athen in Musikkneippen hörten. Bei dieser Musik hat die jammernde Klarinette die Hauptrolle. (MJ)
10-11. Dolla/ Dola mun cahkkehan - Feuer/Ich entfache das Feuer
Ich hatte von einer alten Gitarre die Saiten abgenommen, da ich ein saitenloses Instrument machen wollte. Dieses Stück entstand, als ich begeistert ausprobierte, was in meinem neuen Instrument steckte. Wir hatten von Anfang an ein arabisch-sansibarischartiges Orchester geplant. Für das Streichorchester fanden wir Pekko Käppi, der zumindest zehnmal seinen Violinepart spielte, und zwar absichtlich jedes Mal etwas anders.. (MJ)
Ich versuchte absichtlich den Text wirklich nach totalromantischem Beispiel von Texten von Bauchtanzliedern zu machen, und zwar ohne veralterte Vergleiche zu vermeiden (ich entfache das Feuer der Liebe in deiner Brust... usw.) und ich sang auch etwas auf die eben erwähnte Musikrichtung verweisend. Darbuka rules ok, ach Gottchen, in jedem einzelnen Lied sollte darbuka spielen! Besonders in diesem Stück scheint das Bauchtanzakkompagnement wie Wärme in den Eingeweiden, vielleicht hat auch der Text seinen Anteil daran. :) (AH)
12. Irggástallan - Werben
Der Grundstein für dieses Stück ist Mikkos Komposition, für die lange Zeit keine passende Gesangsmelodie zu finden war. Schlussendlich wurden zwei Ideen gefunden, die wir miteinander verbanden. Der Text erzählt von einem Jungen, der versucht sich dem Mädchen seiner Träume zu nähern. Dieses Mädchen zeigt sich einverstanden zum gemeinsamen Spiel. Auch dieses Stück wurde mehrere Male in verschiedenen Zusammensetzungen aufgenommen. Am Ende perfektionierten der Rock-Riff und das Fatbeat- Akkompagnement die Stimmung. (MJ)
Ich sang meine eigenen Parts fast ohne jegliche Grundlage ein und wusste nicht was aus diesem Lied noch werden würde (bei den Aufnahmen spielte Marko für mich auf einer alten Elektroorgel die Klänge in die Hörer, damit ich bei der richtigen Stimme bleiben konnte. Es gab wirklich nichts, woran ich mich sonst hätte anhalten können). Ich war ziemlich überrascht, als ich das Ergebnis hörte - da war die CD schon auf dem Weg zum Pressen, aber die Überraschung war wirklich angenehm. Marko und ich schienen es einfach nicht zu schaffen den aa-aa-aa -Teil des Refrains ohne Lachen zu bewältigen. Wir hatten davor einmal eine "Engelslied-haa-haa-haa" -Version gemacht und die Erinnerung daran wollte nicht verschwinden. Aa-aa sollte von Anfang an auch zweistimmig gesungen werden, aber das überstieg schon alle Kapazitäten und so ist die zweite Stimme jetzt nur ganz schwach im Hintergrund während des Refrains zu hören. Ari fand am Schrottplatz eine alte Gasflasche und machte daraus ein Instrument, dessen Stimme am Anfang des Liedes zu hören ist. (AH)
VILDDAS (Wood 024)
1. Savkalanlávlla - Flüsterlied
Wie auch viele andere Liedtexte, entstand auch dieser aus mehreren Ideen. Eine, an die ich mich erinnern kann, hat mit dem Gedanken zu tun, der aus der burundischen Flüstermusik entstand. Diese Musik ist so diskret und rücksichtsvoll, dass man sie nur in der Nacht und flüsternderweise vortragen darf. Beim Hören dieser so diskreten Musik gehört auch ein gewisser Trost, eine Genesung von Trauer dazu. Das atmete irgendwie aus Mikkos Komposition.
Der Refrain des Stückes verweist musikalisch auf das beginnende und endende Thema der CD. Dieses Thema ist vom osmanischen Komponisten Lavtaçi Antonin Hûseyni Peþrevi entliehen. (MJ)
2. Jiekŋaáhpi - Eismeer
Mikkos Komposition, Markos Text. Letzterer erzählt von der Reise zweier Menschen an den Strand des Eismeeres. In jenem Sommer war der Sommer in Südfinnland kalt und regnerisch. Als wir im Norden ankamen, war es warm und die Sonne schien. Am Strand waren viele Dinge zu finden, die vom Meer angeschwemmt wurden. Darunter befand sich ein verrostetes Bettgestell. Wir überlegten, dass dort jemand geschlafen hat, geträumt und auch geliebt hat. (MJ)
3. Oarreluohti - Joik des Eichhörnchens
Der Joik der bildenden Künstlerin Marianna Laiti. Marianne also Nanne ist klein, süß, braunäugig und fröhlich wie ein kleines Eichhörnchen. Daher kommt der Name des Liedes. Für das Ende des Liedes war es die Absicht Nannes Lachen live aufzunehmen. Dieses Lachen ist so ansteckend, unvergesslich und voller Freude, dass Annukka unbedingt wenigstens ein kleines Gekicher auf die CD haben wollte. Für die Lachaufnahmen wurde Nanne ins Studio befördert, wo wir dann anfingen zu überlegen, wie man Nanne richtig zum Lachen bringen könnte. Das Grinsen der ganzen Truppe erstarrte... :) Meelis machte die Aufnahmen und versuchte unauffällig zu sein, Annukka versuchte mit allen Mitteln Nanne zum Lachen zu bringen und die arme Nanne fand aber schon gar nichts amüsant. Versucht doch selbst zwangshalber zu lachen - und dann auch noch vor dem Mikrophon, wenn das Tonband läuft! Wir gaben die Idee auf und gingen in eine Bar. Gegen Ende des Abends hätten wir weiß Gott wieviel gutes Lachmaterial für CDs bekommen, aber das Aufnahmegerät war natürlich nicht dabei. (AH)
4. Beaivvážis šaddet beaivvit - Die Tage, die aus der Sonne entstehen
Das Stück war von Anfang an für Annukka bestimmt, sie sollte singen. Aber offensichtlich war meine Stimme schon auf das Stück eingestellt, da Mikko und ich gemeinsam schon einige Zeit, bevor Annukka das Stück hörte, die Idee vorangetrieben hatten. Dieses Stück könnte man als eine Art Huldigung für Nils-Aslak Valkeapääs Eanan Eallima Eadni CD betrachten. Diese hinterließ einen großen Eindruck in mir.
”Es ist Frühling und die Sonne scheint auf die Schneeflächen. Ich fahre um Inari herum. Der Schnee schmilzt und ober den Pfützen am Rand des schmelzenden Schnees glänzt das Eis berührt von der Sonne.” Der Text erzählt auch vom Verlust eines geliebten Menschen. Wenn man vom Weg abkommt und man sich selbst wieder im Schnee findet, und nicht vorwärts kommt, obwohl der Frühling am Kommen war. Nichts ist wahrzunehmen. Man atmet nur.
Das Lied ist auch in verlängerter Version auf der Revontuli DVD des Saamen-Museum Siida. (MJ)
5. Dán ija - Tänä yönä - Heute Nacht
Das war das erste Stück, das ich für Vilddas gemacht habe. Trotz der orientalischen Stimmung besteht das Stück zum größten Teil aus auf der Laute gespielten Rock-Riffen. Nach verschiedenen Versuchen und einigem Probieren fand das Stück seine endgültige Form: es war völlig akkustisch. Der Text geht auf ein Gedicht zurück, das ich geschrieben habe, als ich jünger war. In diesem Gedicht wird von frühlingshaften Gefühlen einer kurzen Nacht erzählt. In dieser Nacht träumen die Menschen seltsame Träume. Vielleicht kommt das nördliche Leben per Gesetz des Nebels über die Moore in die Träume der Menschen. Annukkas gesungener Gedanke verwandelte sich mehr zu einer Situation, in der eine Frau wartet, dass ihr Geliebter aus dem Wald zurückkommt. (MJ)
Ich dachte, dass ich einmal sofort verstand, worüber Markos Text erzählte, als wir anfingen das Stück zu bearbeiten. Ich hatte es schon ein Jahr lang mit einem bestimmten Gefühl gesungen und darin vertraut, dass Marko und ich einer Meinung wären, als plötzlich Ulla Pirttijärvi den Inhalt des Textes zur Sprache nahm und herauskam, dass wir beide Markos Text auf eine völlig andere Weise verstanden hatten, als Marko es selbst gemeint hatte... (AH)
6. Biegga - Wind
Mikkos Komposition, Annukkas Text. Dieser Liedtext beruht auf einer wahren Begebenheit, die mir meine Mutter erzählte. Als sie als karelische Stadtpflanze die Schwiegertochter in einer Rentierzüchterfamilie wurde, stieß sie auf für sie viele neue Dinge. Am Wegrand von Kuttura gab es ein Häuschen, in dem das junge Paar gemeinsam mit den Schwiegereltern und der Großmutter Inkeri wohnte. Die Schwiegertochter verbrachte viel Zeit mit den älteren Leuten im Haus, denn mein Vater war bei den Rentieren im Wald. Er konnte einen Tag, zwei Tage, eine Woche oder zwei Wochen weg von Zuhause sein. Aber immer, wenn er nach Hause kam, begann die Großmutter Inkeri Heikkis Joik zu jodeln. So wussten die Leute im Haus, dass sie sich auf die Rückkehr des jungen Hausherrn vorbereiten konnten. Die Áhkku (=Großmutter) wusste immer den Tag, an dem mein Vater vom Wald zurückkam und ließ es die anderen mit ihrem Joik, dem Joik meines Vaters, wissen. Meine Mutter erzählte, dass sie immer erstaunt war...
Es ärgert mich immer noch, dass wir es nicht geschafft haben einen richtigen Sturm in den Bergen für die CD aufzunehmen!!! Die Violinenparts auf der CD spielten Tuuli Talvitie, Siiri und Aliina Järvelä, Cello spielte Harri Topi. (AH)
7. Hirvas-Niila luohti - Niila Hirvasvuopios Joik
Der Joik meines Großvaters, den seine Schwester Inkeri mir beibrachte. Diesen altüberlieferten Joik jodelte man, wie man mir sagte, schon über den Vater meines Großvaters, dessen Name auch Niila Hirvasvuopio war. So ist der Joik schon 150 Jahre alt und es ist in unserer Familie von Jodler zu Jodler weitergegeben worden. Als Kind war ich "Großvaters Magd", Großvaters Mädchen und so ist mir dieser Joik sehr lieb. Sagen wir doch, "ein Mensch lebt so lange, so lange über ihn gejodelt wird". Ein Joik ist wie ein musikalisches Foto von dem Menschen, von dem der Joik erzählt. Der Hirvas Niila Joik ist meine Verbindung zu meinem Großvater, obwohl er nicht mehr auf dieser Welt ist. (AH)
8. Ráfi - Frieden
Die Komposition setzte sich nach und nach aus mehreren kleinen Teilen zusammen, die schließlich ihren Weg zum selben Stück fanden. Es war eigentlich kein eigentliches Ziel orientalische Stimmung zu bekommen, sondern einfach nur schöne Melodien. (MJ)
Dieses Lied ist mein eigener Favorit unter den Vilddas-Stücken. Die Aufnahme gelang schon beim ersten Mal live so gut, dass es einfach klickte. Das Lied ist hell und schön und bringt perfekt die Stimmung zum Ausdruck, über welche der Text erzählt. Ein Sommermorgen, zwei Verliebte am Seestrand, kein Kummer auf der ganzen Welt... Eine schöne Erinnerung an Glück, das nicht bestimmt war um anzuhalten. (AH)
9. Pauanne
Mikkos Komposition. Beim Pauanne-Felsen von Kaustinen gab es eine mächtige Pauke, deren Ton Mikko später in Tampere aufnahm und der im Lied zu hören ist. Vilddas trat im Sommer 1999 beim Volksmusikfestival von Kaustinen auf und damals auf der gleichen Reise machten wir auch Halt beim Pauanne-Felsen um einige Bildaufnahmen zu machen und natürlich auch um zu spielen. (AH)
10. Guhtur-Ándde-Reijo - Reijo Maggans Joik
Dieser Joik entstand im Auto auf der Reise zwischen Kemi und Oulu. Ich war am Abend davor in der Sauna und habe den Abend mit Reijo in Kuttura am Strand des Ivaloflusses verbracht. Plötzlich kamen mir einfach die Melodie und die Wörter in den Sinn und das Stück war so gut wie fertig. Bei den Proben spielten wir das Stück einige Male durch und das war es dann. (MJ)
Im Joik wird auch der Hund Moivi erwähnt, der, wie ich hörte, ein wirklicher Mischling war: Seine Mutter war ein lappischer Rentierhund und sein Vater ein Dackel. Viele Witze wurden darüber gemacht, wie um alles in der Welt er trotz des Größenunterschiedes seiner Eltern entstehen konnte - wie haben sie das nur gemacht?! Moivi (samisch: Durcheinander) war auch so seinen Namen wert. Er sah nicht nur witzig aus, sondern er hatte auch die Angewohnheit Müllsäcke zu zerreißen und deren Inhalt überall zu verteilen. So erzählt es zumindest die Geschichte. (AH)
11. Eadni lávlu - Mutter singt
Eine warme und liebe Erinnerung aus der Kindheit. Mutter streichelte über die Haare und sang das Kind in den Schlaf. Deshalb heißt das Stück "Eadni lávlu" und nicht "Eadni juoigá", obwohl es doch ein Joik ist. Die Grundlage für dieses Stück ist ein traditioneller Joik unserer Familie, den mir Vaters Schwester Inkeri beibrachte. Ich habe daraus eine etwas andere Version gemacht - mit Erlaubnis von Inkeri - und ich änderte auch etwas den Text. (AH)
12. Báze dearvan - Abschied
Zu diesem Stück machte ich das Intro und gleichzeitig entstand auch der Rhythmus für das ganze Stück, für das Annukka ihren eigenen Gesangspart machte. Mit dem Stück verband man in seiner Entstehung irgendwie eine starke Kraft nach vorwärts, eine Art Gefühl eines unendlichen Laufes. Am Ende des Liedes hört man wieder eine Entlehnung aus der Musik des osmanischen Komponisten Lavtaçi Antonin Hûseyni Peþrevi Die Entlehnung kam irgendwie wie von selbst dazu. (MJ)
Die gleiche Melodie gibt es auch im Stück Savkalanlávlla und so gibt es auf der Vilddas CD sowohl im ersten als auch im letzten Stück die gleiche Tonfolge. Meiner Meinung nach war die Idee witzig und die Melodie passt auch in beide Lieder. Die Liedmelodie selbst wurde von Marko und Annukka gemeinsam gemacht. Gemeinsam mit Marko überlegte ich lange, könnte der Liedname auch Báze dearvan sein. Marko war der Meinung, dass der Abschied eines geliebten Menschen nicht so knapp und barsch geschehen kann, aber meiner Meinung nach ist die Verabschiedung doch ziemlich warm.
Man hofft dennoch: Das Eis ist noch heil, man sagt dem anderen nicht einfach, verschwinde! Báze dearvan - mit dem Abschied verbindet man, dass man dem anderen dennoch alles Gute wünscht. Das finnische "hyvästi" (Auf Wiedersehen) oder das englische "farewell" ist in der Bedeutung keine gute Übersetzung, besonders "hyvästi" hört sich besonders barsch an. Das Lied ist ein direktes Kontinuum der Stimmung des Stückes Ráfi. Als Grundlage dient eine Liebesgeschichte, von der beide Parteien wussten, dass ihre Geschichte nicht gelingen kann, dennoch war das voneinander loskommen schmerzhaft. Besonders für den Partner, dem gesagt wurde "báze dearvan". (AH)
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